Wolfgang Edlinger

Innere Sicherheit oder Ausgrenzung? Wie sich die Debatte um Jugendkriminalität auf Projekte wie den SOS-Jugenddienst Saarbrücken auswirkt

Beitrag aus SOS-Dialog 2000

Beschreibung

Die alltägliche Arbeit des SOS-Jugenddienstes Saarbücken ist ein Balanceakt zwischen der Parteinahme für die hier betreuten Kinder und Jugendlichen und den ordnungspolitischen Ansprüchen von Polizei, Bürgern und Kommunalpolitik: Einerseits engagieren sich die Mitarbeiter des Jugenddienstes in enger Zusammenarbeit mit Polizei und Ordnungsamt und im Präventionsrat der Stadt Saarbrücken für Absprachen im Sinne sachgerechter Lösungen und für eine Entflechtung städtischer Brennpunkte. Andererseits müssen sie dieses Engagement täglich kritisch hinterfragen und die erforderliche Distanz halten, um nicht das Vertrauen derjenigen zu verlieren, für die sie da sind.

Welche Aufgabe kommt der Jugendhilfe vorrangig zu angesichts einer Situation, in der das Bild "gewalttätiger Jugendlicher“ die politische und öffentliche Debatte beherrscht und in der vor allem diejenigen Jugendlichen ins Visier genommen werden, die ohnehin schon benachteiligt sind? Wolfgang Edlinger plädiert überzeugend dafür, die Lebenswirklichkeit von Jugendlichen auf der Straße wahrzunehmen und zu verstehen. Dabei gilt es, auf das Potenzial ihrer Fähigkeiten und Erfahrungen zu setzen, nicht auf Verurteilungen oder Belehrungen. Das ist eine der zentralen Anforderungen, wenn die Jugendhilfe es sich zum Ziel macht, Jugendliche dazu zu befähigen, sich in einer Gesellschaft voller Risiken zurechtzufinden und ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Autoren

Wolfgang Edlinger

Jahrgang 1951, Diplom-Pädagoge, Studium der Erziehungswissenschaft, Politik und Sport an der Universität Marburg. Langjährig tätig in der Gemeinwesenarbeit, der kirchlichen Randgruppenarbeit und in Arbeitslosenprojekten. Seit neun Jahren Leiter der SOS-Jugendhilfen Saarbrücken, einer Verbundeinrichtung im Bereich erzieherischer Hilfen; dazu gehört das Modellprojekt „SOS-Jugenddienst – Kinder und Jugendliche auf der Straße“, das vom Jugendamt des Stadtverbandes Saarbrücken konzeptionell mit entwickelt wurde und von ihm wie auch vom saarländischen Sozialministerium gefördert wird. (Stand der Veröffentlichung 2000)

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