Eckhard Thiel und Martin Kühn

Geschwister in der stationären Erziehungshilfe – Herausforderungen und Erfahrungen aus institutioneller Sicht

Beitrag aus SOS-Dialog 2012

Beschreibung

Fast 90 Prozent der in den SOS-Kinderdörfern lebenden Kinder und Jugendlichen haben Geschwister. Auch im SOS-Kinderdorf Worpswede lebt der Großteil der Kinder gemeinsam mit ihren Geschwistern. Welche Chancen und Risiken bergen die geschwisterlichen Rollenzuschreibungen für die Kinder, die Fachkräfte und für das Geschehen in der Gruppe? Welche speziellen Anforderungen sind für alle Beteiligten mit der Beziehungsdynamik unter Geschwisterkindern verbunden und wie wird dieser im Kinderdorf begegnet? Was ist im Zuge des Integrationsprozesses von neu aufgenommenen Geschwistern in eine bereits bestehende Gruppe zu beachten?

Eckhard Thiel und Martin Kühn erläutern, was es für die pädagogische Arbeit bedeutet, den Aspekt der Geschwisterlichkeit stets im Blick zu haben. Entlang der Fragestellung, wie sich die Unterbringung von Geschwisterkindern vom Moment der Aufnahme bis zu ihrem Ausscheiden auf ihr eigenes erzieherisches Handeln auswirkt, zeigen sie unter anderem, welche konkreten geschwisterspezifischen Themen bei der Vorbereitung einer Aufnahme berücksichtigt werden müssen. Vor allem die Frage, ob Geschwisterkinder gemeinsam oder getrennt untergebracht werden sollten, stellt die Entscheidungsträger in der Praxis häufig vor besondere Probleme, denn selbst eine wohlbegründete Trennung von Geschwistern hat nicht nur positive Seiten. Welche konkreten Aspekte gilt es angesichts einer Trennung von Geschwisterkindern zu berücksichtigen? Die Verfasser legen dar, dass es von entscheidender Bedeutung ist, schon im Vorfeld einer Aufnahme das innere Gefüge einer Geschwistergruppe gut einschätzen zu können, um eine Hilfemaßnahme passgenau für die Betroffenen auszugestalten.

Autoren

Eckhard Thiel

Jahrgang 1959, Diplompädagoge, Studium der Erziehungswissenschaften und Philosophie an der Universität Trier, Individualpsychologischer Berater (Deutsche Gesellschaft für Individualpsychologie) und Diplom-Musiktherapeut. Seit 1986 pädagogischer Mitarbeiter im SOS-Kinderdorf Worpswede und seit 2001 Bereichsleiter für den Bereich „Kinderdorffamilien“. (Stand der Veröffentlichung 2012)

Martin Kühn

Jahrgang 1964, Diplom-Behindertenpädagoge, Zusatzausbildung in Systemischer Beratung und Therapie. Seit 1995 im SOS-Kinderdorf Worpswede tätig, zunächst als Pädagogischer Mitarbeiter, jetzt als Abteilungsleiter „Differenzierte Jugendhilfen“. Langjährige Tätigkeit in schulbegleitenden Maßnahmen, sonderpädagogischen Arbeitsbereichen sowie stationären Hilfen zur Erziehung. (Stand der Veröffentlichung 2000)

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