Manfred Spindler

Familientherapeutische Arbeit im Kontext einer stationären Einrichtung

Beschreibung

Der Name der heilpädagogischen Kinderwohngruppe "Haus Leuchtturm“ weist hin auf das ihr zugrunde liegende familientherapeutische Konzept und die impliziten Chancen für die Betroffenen: Stellt man sich die betroffene Familie als Schiff vor, dann nimmt dieses als Ganzes einen anderen Kurs, wenn die Offiziere (Eltern) da und dort anders navigieren als vorher (oder wenn die Mannschaft (Kinder) da und dort besser zusammenarbeitet. Auch wenn ein Familienmitglied sich konstant verweigert, kann dies gelingen, sofern die anderen ihre Aufmerksamkeit auf das Schiff und den Kurs richten und nicht auf Symptome oder Unvermögen des Einzelnen. In Haus Leuchtturm übernehmen die Fachkräfte der Einrichtung für die festgelegten zwei Jahre der Fremdunterbringung des Kindes, währenddessen sich die Familie zur Kooperation verpflichet, die Rolle eines Lotsen, damit das Familien-Schiff nicht auf Riff läuft. Rudern und steuern aber müssen die Familienmitglieder selbst.

Manfred Spindler beschreibt entlang der Lotsen-Metapher den Arbeitsansatz in Haus Leuchtturm. An einem Fallbeispiel schildert er detailliert die verschiedenen Phasen des Aufenthaltes in der Einrichtung und die in den familientherapeutischen Sitzungen beginnenden Prozesse. Dabei setzt er sich kritisch mit der Problematik der therapeutischen Arbeit mit dem Herkunftssystem in der stationären Heimerziehung auseinander und kommt zu dem Ergebnis, dass das vorgegebene Ziel "Rückführung in die Familie“ aus familientherapeutischer Sicht in vielen Fällen zu einseitig und absolut erscheint.

Autoren

Dr. Manfred Spindler

Jahrgang 1956, Diplompsychologe, psychologischer Psychotherapeut, Familientherapeut, Supervisor und Körperpsychotherapeut; psychologische Dienstleistungen in ambulanten und stationären Bereichen der Jugendhilfe, tätig in Ausbildung und Fortbildung; arbeitet als externer Familientherapeut in Haus Leuchtturm. (Stand der Veröffentlichung 2000)

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