SOS-Fachtagung 2014

Optionen für den Übergang

SOS-Fachtagung 2014

„Optionen für den Übergang – Jugendliche in der stationären Erziehungshilfe auf dem Weg in die Eigenständigkeit“

„Twenty-Five is the new Eighteen“, so kennzeichnete Wolfgang Schröer von der Stiftung Universität Hildesheim den Trend zur Entgrenzung und Verlängerung der Jugendphase, der sich auch maßgeblich auf die Optionen des Übergangs aus den stationären Erziehungshilfen auswirkt. Schröer ist einer der sieben renommierten Wissenschaftler, die sich mit ihrer fachlichen Expertise in die Tagung eingebracht und über die gesamte Veranstaltung hinweg engagiert mitdiskutiert haben.

Impulsvorträge, vertiefende Diskussionen und persönliche Erfahrungsberichte von sogenannten Care-Leavern prägten die ebenso anregende wie informative Veranstaltung. Diesen Eindruck bestätigten auch Fachkräfte während und nach der Tagung, befragt zum Thema „Leaving Care“ bzw. Verselbstständigung:  Welche Bedeutung hat das Tagungsthema in Ihrem Arbeitsbereich? Was nehmen Sie von der Tagung mit in Ihre Praxis?

Leaving Care und Verselbstständigung – ein Thema in der praktischen Jugendhilfe?

SOS-Fachtagung 2014 vergrößern „Wir arbeiten beide in einer Jugendhilfeeinrichtung und da ist das Alltag, das gehört dazu. […] Wenn wir Kinder und Jugendliche aufnehmen, müssen wir nach vorne schauen und gucken, wie geht es da weiter […], was passiert danach?“
(Einrichtungsleitung bei einem freien Träger)

„Und wir haben jetzt nicht laufend Jugendliche, die selbstständig werden, aber halt immer wieder, so in Zyklen. […] Von daher ist das jetzt auch sehr interessant. Zu hören, was gibt es für Modelle, was gibt es für Möglichkeiten, neue Impulse, neue Ideen für die Care-Leaver.“
(Mitarbeiter bei einem freien Träger)

„Ja, das ist bei uns natürlich ein ständig wiederkehrender Prozess, vor allem im Rahmen der Hilfeplangespräche. Eigentlich habe ich fast täglich damit zu tun.“
(Mitarbeiterin im Jugendamt)

Was hat Sie am meisten bewegt? Was nehmen Sie mit?

„Die Offenheit hier hat mich beeindruckt. Also so eine Nähe. Ja, dass Du nicht nur das Gefühl hast, hier spricht ein Professor […], sondern dass die auch unsere Arbeit wertschätzen. Dieses Gefühl nehme ich auf jeden Fall mit: dass wir hier gehört werden.“
(Mitarbeiter bei einem freien Träger)

„Das Gespräch mit den Jugendlichen bleibt bei mir hängen. […] Wie das deutlich wurde, in welche großen Löcher sie doch fallen. […] Ich nehme daher mit, mehr Geduld mit den Jugendlichen zu haben und mehr Hilfestellungen zu geben.“
(Mitarbeiter bei einem freien Träger)

SOS-Fachtagung 2014 vergrößern „Ich nehme auf jeden Fall mit, dass es wirklich so ist, dass die Jugendlichen mit achtzehn noch nicht bereit sind für die Selbstständigkeit, für den Auszug. […] Die stecken halt in irgendwelchen Prüfungen oder was und sollen sich aber zeitgleich damit beschäftigen: Was will ich mit meinem Leben anfangen, was will ich machen?  Die haben aber ganz andere Sorgen.“
(Mitarbeiter bei einem freien Träger)

„Ja, ich fühle mich schon sehr bestätigt in meiner Wahrnehmung, dass die Jugendlichen in vielen Fällen noch eine starke Nachbetreuung brauchen, und ich bin froh, dass es diese Möglichkeiten auch qua Gesetz gibt. Es bräuchte vielleicht wirklich jemanden, der einen Überblick über alle möglichen Hilfeformen hat und dann die Jugendlichen nicht nur berät, sondern sie auch immer wieder aufsucht und genau nachhakt. Also das habe ich vor allem aus der Diskussion mit den Ehemaligen mitgenommen.“
(Mitarbeiterin im Jugendamt)

„[…], dass zwar Hilfe da war, aber sie [die Care-Leaver] scheinen sie doch nicht wirklich gesehen zu haben. Daher sensibel werden, genau hinschauen, nachfragen […]“
(Mitarbeiter in einer Einrichtung eines freien Trägers)

SOS-Fachtagung 2014 vergrößern „Es hörte sich teilweise so an, als ob ab achtzehn Ende der Jugendhilfe wäre. Das kenne ich nicht. Sondern da wird im Einzelfall geguckt […] und muss zwischen Träger und Jugendamt ausgehandelt werden. […] Da frage ich mich dann ernsthaft, wie konkret ist die Konfliktfähigkeit des Trägers gegenüber dem Jugendamt. Das muss zumindest ein größerer Träger auch aushalten, in diesen Konflikt zu gehen mit dem Jugendamt.“
(Mitarbeiter im Jugendamt)

„Für mich ist es ein großes Thema bei vielen Jugendlichen. […] Ich habe gerade eine junge Mutter aufgenommen, mit ihrem Kind, die im Rahmen ihrer Verselbstständigung überhaupt nicht klargekommen ist und mit sechsundzwanzig Jahren noch mal in die Jugendhilfe eingetaucht ist. […] Da passieren auch mal Wunder.“
(Mitarbeiter eines freien Trägers)


Fazit: Es lohnt sich, in Übergänge zu investieren. Der Rahmen ist mit dem § 41 SGB VIII von Gesetzes wegen gesteckt.


Tagungsbericht SOS-Fachtagung 2014

Programm SOS-Fachtagung 2014

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