Als Care-Leaver werden Jugendliche und junge Erwachsene bezeichnet, die nach einer Zeit des Aufwachsens in einer stationären Einrichtung die Jugendhilfe verlassen haben – häufig mit dem Ziel, ein selbstständiges Leben zu führen. Viele empfinden diesen Schritt als herausfordernd und benötigen weitere Unterstützung. Die SOS-Längsschnittstudie zur Handlungsbefähigung zeigt, dass die jungen Menschen ihr eigenständiges Leben positiver wahrnehmen, wenn sie sich gut darauf vorbereitet fühlen und den Übergang aus der stationären Betreuung als für sich passend erlebt haben.

Der Themenschwerpunkt nimmt unter anderem folgende Fragen in den Blick: Wie kann die Jugendhilfe die jungen Menschen gut auf die Selbstständigkeit vorbereiten? Wo gibt es strukturelle Hürden? Welche Faktoren wirken sich förderlich auf das Erleben des Übergangs aus? Und worauf kommt es bei der Begleitung der Care-Leaver in und nach diesem Prozess an? All diese Aspekte werden aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet – dabei kommen Experten aus Forschung, Angebotsentwicklung und Praxis zu Wort. Und schließlich erzählt ein Care-Leaver selbst, wie er persönlich den Übergang erlebt hat. 

  • Professorin Maren Zeller im Gespräch

    Herausforderungen und Gelingensfaktoren in der Übergangsbegleitung

    Die Lebenssituation junger Menschen auf dem Weg in die Eigenständigkeit hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Die Sozialforschung beschreibt das „junge Erwachsenenalter“ (oder auch „Emerging Adulthood“) als eine neue Lebensphase, in der sich der Übergang ins Erwachsenenleben über einen immer längeren Zeitraum erstreckt. Auch der 15. Kinder- und Jugendbericht stellt fest, dass die „Lebensphase Jugend“ heute bis weit ins dritte Lebensjahrzehnt hineinreicht. Für die betroffenen jungen Menschen geht es darum, Übergänge in unterschiedlichen Teilbereichen ihres Lebens zu bewältigen – gleichzeitig oder auch ungleichzeitig. So kann es sein, dass eine Person in einem bestimmten Bereich schon den Übergang ins Erwachsenenleben vollzieht, beispielsweise indem sie eine Familie gründet, während ein anderer Schritt, etwa der Einstieg in einen Beruf, noch aussteht.

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  • Auf dem Weg in ein eigenständiges Leben

    Wie junge Menschen für sich Handlungsbefähigung entwickeln können

    Als Care-Leaver werden junge Menschen bezeichnet, die die stationäre Jugendhilfe verlassen haben. Dem Ende der Unterbringung geht ein Prozess des Selbstständigwerdens voraus, der schon lange vor dem Auszug beginnt. Dr. Kristin Teuber, Leiterin des Sozialpädagogischen Instituts (SPI) des SOS-Kinderdorf e.V., erläutert aus wissenschaftlicher Sicht, was junge Menschen für einen guten Übergang in ein eigenständiges Leben brauchen und welche Faktoren sich positiv darauf auswirken, als junge Erwachsene Fuß zu fassen. Im Gespräch gibt die Psychologin Einblick in Erkenntnisse aus der „SOS-Längsschnittstudie zur Handlungsbefähigung junger Menschen auf dem Weg in die Eigenständigkeit“ und zeigt deren Bedeutung für die pädagogische Praxis auf.

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  • Verselbstständigungsangebote in SOS-Einrichtungen: Heike Jockisch und Ulrike Ebbing im Gespräch

    Fließende Übergänge und Transparenz auf dem Weg in ein eigenverantwortliches Leben

    SOS-Kinderdorf Kaiserslautern; Einrichtungsleiterin, Mitarbeiterin und Jugendliche im Garten der LauBE

    „Wenn junge Menschen in der Jugendhilfe in die Selbstständigkeit gehen, also eine Berufsausbildung beginnen oder in eine eigene Wohnung ziehen, brauchen sie oft noch einen fürsorglichen und zugewandten Menschen an ihrer Seite, der für sie ansprechbar ist zu Fragen aus allen Bereichen des Lebens –  von der Alltagsabwicklung über berufliche und partnerschaftliche Fragen bis hin zur Gesundheitsfürsorge.“ Heike Jockisch leitet seit knapp fünf Jahren das SOS-Kinderdorf in Kaiserslautern, dessen Angebot die Jugendwohngruppen, das Betreute Wohnen, das Familienhilfezentrum und die Schulsozialarbeit umfasst. Im Gespräch berichtet sie vom breiten und flexiblen Angebotsspektrum in ihrer Einrichtung und von der Haltung, mit der die Betreuten dort auf ihrem Weg ins Erwachsenenleben begleitet werden.

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  • Die LauBE – Anlaufstelle für Care-Leaver

    Erfahrungen aus dem Betreuten Wohnen

    Sebastian Ezelius

    Acht bis zehn junge Erwachsene begleitet Carsten Misamer gemeinsam mit seinem Team zeitgleich im Betreuten Wohnen. Zentrale Anlaufstelle dafür ist die sogenannte LauBE in Kaiserslautern, das „Lauterer Betreute Einzelwohnen“. Der Name ist nicht nur Abkürzung, das Bild von der Laube ist vielmehr bewusst gewählt: „Wir bieten ja auch im übertragenen Sinne etwas, das ein bisschen vor Wind, vor dem ersten Regen schützt, das nach außen geöffnet ist und trotzdem noch etwas Beheimatendes hat,“ erläutert Misamer. In diesem Sinne unterstützt er als pädagogischer Mitarbeiter seit 25 Jahren junge Menschen dabei, in der Eigenständigkeit Fuß zu fassen.

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